Athletik im Langfristigen Leistungsaufbau

Athletik ist das Fundament, auf dem jede spätere Spitzenleistung im Volleyball und Beach-Volleyball aufbaut. Jeder Schlag, jeder Sprung, jeder Abwehrhandlung ist immer genau so hart, hoch und reaktionsschnell, wie es die athletische Basis darunter zulässt. Wer im Nachwuchs Zeit in eine saubere Bewegungsausbildung investiert, sichert sich damit die Jahre am oberen Ende der Karriere, in denen Athletik über Sieg, Titel und insbesondere auch die Karrierelänge entscheidet.

Vier Ziele tragen das Athletiktraining von der ersten bis zur letzten Ausbildungsstufe – und bilden zugleich das Dach der komplexen Leistungsdiagnostik (KLD, siehe unten):

 

  • Gesund bleiben – ein belastbarer, gut vorbereiteter Körper als Grundlage jeder Entwicklung
  • Präzise Ballkontakte über einen stabilen Rumpf
  • Hoch springen – maximale, über Training und Spiel konstant hohe Absprungleistung
  • Schnell schlagen – Schulter- und Armzuggeschwindigkeit auf stabiler Rumpfbasis

Gesund bleiben schafft die Trainingszeit, in der die anderen drei Ziele überhaupt wachsen können: Kontinuierliches Training ohne Ausfallzeiten ist der wichtigste Garant für ausreichend Trainingszeit am Ball – ein Athletikprogramm, das die passiven und aktiven Strukturen robust, ist damit das leistungswirksamste Technik- und Taktiktraining überhaupt.

Präzise Ballkontakte über einen stabilen Rumpf sind die Basis jeder technischen Handlung. Zuspiel, Angriff und oder Block/Abwehr sind Präzisionsleistungen unter Zeitdruck, die auf stabilem Fundament entstehen. Besonders beim Schlag im Sprung – ganz ohne Bodenkontakt – zeigt sich das: Ein kraftvoll stabilisierter Rumpf erlaubt es der Schulter, als „freies", wenig knöchern geführtes Gelenk, maximal zu beschleunigen. Der Rumpf ist damit die zentrale Voraussetzung für die Qualität aller Extremitätenbewegungen und verdient in jeder Ausbildungsstufe übergeordneten Stellenwert.

Die fünf Grundbewegungsmuster – gemeinsame Sprache über alle Stufen

Über alle Ausbildungsstufen hinweg orientiert sich das Athletiktraining an fünf zentralen Bewegungsmustern. Sie sind die eigentliche Zielgröße des Trainings – die in dieser Konzeption genannten Übungen sind jeweils nur Beispiele, mit denen ein Muster in der jeweiligen Altersstufe passend trainiert wird, und können durch andere Übungen mit derselben Bewegungsstruktur ersetzt werden:

  • Squat (Kniebeuge) – Beugung in Knie und Hüfte, vertikale Kraftübertragung in die Beine
  • Hinge (Hüftbeugung) – Kraftentfaltung aus der Hüftstreckung heraus (hintere Kette)
  • Push (Drücken) – horizontal und vertikal, für Ober- und Unterkörper
  • Pull (Ziehen) – horizontal und vertikal, für Ober- und Unterkörper
  • Core (Rumpfstabilisation & Rotation) – Anti-Rotation, Rotation und Anti-Flexion/-Extension als Verbindung zwischen den Extremitäten über die kinetische Kette

Jede Ausbildungsstufe greift diese fünf Muster wieder auf – nur die Übung, die Last und die Komplexität verändern sich. Dabei gilt durchgängig: Komplexe, mehrgelenkige Ganzkörperübungen in voller Range of Motion sind das Ziel und werden isolierten Einzelübungen vorgezogen, sobald die individuelle Kontrolle das zulässt – sie bilden die Bewegungsmuster realistischer ab und schulen gleichzeitig die intra- und intermuskuläre Koordination.

 

Grundprinzipien über alle Ausbildungsstufen hinweg

  • Eigenkörpergewicht als universelles Trainingsmittel. Mit dem eigenen Körpergewicht lässt sich über Jahre trainieren, mit stets ausreichend Steigerungspotenzial über Hebel, Stützfläche oder Bewegungsamplitude.
  • Volle Range of Motion von Kindesbeinen an – vor jeder Progression. Die Progressionstabellen je Ausbildungsstufe sind eine wertvolle Orientierung für den nächsten Übungsschritt, ersetzen aber nie das eigentliche Kriterium für jede Steigerung: Erst wenn ein Bewegungsmuster in voller Amplitude sicher kontrolliert wird, wird die nächste Stufe – komplexer, instabiler oder belastet – freigegeben.
  • Mindestens ein Drittel der Trainingszeit gehört der Athletik – integriert ins Balltraining oder als eigene Kraftraum-Einheit.
  • Spielerisch bei Kindern, gezielt bei Jugendlichen und Erwachsenen.
  • Maximale Ansteuerung als eigentliches Ziel – präzise willentliche Kontrolle über jedes Gelenk.
  • Der Sprung als Schlüsselgröße – mehr Winkeloptionen beim Schlag, mehr Zeit in der Luft für die individualtaktische Entscheidung.

Wachstumsphysiologie

Die Möglichkeiten durch Krafttraining stellen sich vor, während und nach dem Peak Height Velocity (PHV) sehr unterschiedlich dar. Dabei geschieht Anpassung in verschiedensten Bereichen des menschlichen Körpers. Klar belegt ist, dass Kraft- und Athletiktraining bereits im Kindes- und Jugendalter viele positive Wirkungen auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hat.

Trainingsplanung

Vor der Trainingsplanung müssen einige Aspekte genau betrachtet werden. Das Feld zur Verbesserung der Bewegunskompetenz ist groß und muss umfassend bearbeitet werden. Das Modell unten zeigt, wie einfach ein Krafttraining aufgebaut werden kann. Zusätzlich sind einige Beispiele zu sehen, die illustrieren, wie es dann konkret aussehen kann.

Erwärmung

In die Erwärmung/ Warm-Up können viele Variationen nach dem selben Schema eingebaut werden. Anbei ist beschrieben wie eine Erwärmung vor dem Training, Wettkampf oder Diagnostik aussehen kann.

 

Progressionsstufen

Die einzelnen Trainingsübungen sind bei den jeweiligen Ausbildungsstufen unter Athletik / Inhalte jeweils mit dem dazugehörigen Video nach Leveln sortiert zu finden.

Im Athletiktraining hat sich aktuell das englische als Standardsprache nahezu durchgesetzt, weshalb wir uns auch hier daran orientieren. Im anhängenden Glossar versuchen wir dennoch, die etablierten Bezeichnungen der Trainingsübungen zu "übersetzen" und zu beschreiben. Videos zu jeder Übung werden hier ebenso bald veröffentlicht.

Diagnostik

Alle Spieler*innen im (Nachwuchs-)Leistungssport absolvieren bis zu 2x jährliche eine Komplexe Leistungsdiagnostik (KLD) an den jeweiligen Olympiastützpunkten vor Ort, um Leistungsentwicklung, aber auch Potentiale und mögliche Dysbalancen festzustellen.

Die genauen Zeiträume sind in der "Neukonzeption der KLD im Volleyball/ Beach-Volleyball" zu finden.

Volleyball:

  • NK1: Durchführung in der Vorbereitung (2. – 4. Trainingswoche nach den Sommerferien) sowie 2 – 3 Wochen vor dem letzten Liga-Spiel am jeweiligen dem BSP zugeordneten OSP
  • PK/OK: Durchführung in der Vorbereitung auf die Volleyball Nations League am OSP Berlin

Beach:

  • NK1/PK/OK: Durchführung in der Vorbereitung (2 – 4 Wochen nach Trainingsstart) sowie unmittelbar vor der Wettkampfphase für alle Nationalspieler am OSP Hamburg/Schleswig-Holstein

Vereine und Landesverbände orientieren sich an Diagnostikmanual des DVV, welches die Athletiktests im Rahmen der Bundespokale und der Bundeskadersichtung beinhaltet.

 

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