Der erste Kontakt im (Beach-) Volleyball wird zumeist im Bagger ausgeführt. Um eine möglichst gute Ausgangssituation für einen effektiven Angriff zu kreieren ist der Präzisionsanspruch, vor allem in der Annahme, maximal. Es geht also im ersten Schritt darum, unter (später sogar größtem) Zeitdruck ein an die spezifische Situation angepasstes, sehr präzises Ziel für den Ball zu definieren. Wie präzise der Ball gespielt werden kann, variiert in Abhängigkeit des Spielniveaus. Ein maximaler Anspruch (also ein ganz klar definiertes Ziel) hilft jedoch allen SpielerInnen, unabhängig vom Niveau, den Ball möglichst nah an ihr Ziel zu spielen. Der Grundverständnis, dass die Technik dabei als reines Hilfsmittel zur Zielerreichung fungiert, hat sich als sehr hilfreich erwiesen.
Typische Probleme beim Erlernen der Baggerbewegung
Trotz ihrer hohen Relevanz oder gerade deshalb gehören Annahme- und Abwehr, und damit oft die Baggerbewegung zu den wichtigsten und technisch anspruchsvollsten Elementen im (Beach-) Volleyball. Häufige Probleme zeigen sich bereits in der Grundausbildung:
Diese Defizite führen zu einer geringeren Präzision und können in der weiterführenden Technikausbildung zu leitungslimitierenden Faktoren werden. Umso wichtiger ist, das grundlegende Technikleitbild für den Nachwuchs verständlich und altersgerecht aufzubereiten.
In den Spielsituationen, in denen der Bagger im ersten Ballkontakt zum Einsatz kommt, befindet sich die gegnerische Mannschaft in der Offensive (Aufschlag oder Angriff). Das übergeordnete Ziel der Defensivtechnik ist, Kontrolle über den Ball zu erlangen!
Kontrolle
(Offene) Spielsituationen im (Beach-) Volleyball sind immer unterschiedlich und stellen extrem hohe Ansprüche an die kognitiven Fähigkeiten von AthletInnen. Diese müssen in jeder Spielhandlung situationsspezifisch und in Abhängigkeit der eigenen Fähigkeiten neu entscheiden, welches individualtaktische Ziel sie mit einer Annahme- oder Abwehrhandlung verfolgen. Außerdem müssen sie unter teils größtem Zeitdruck entscheiden, wo genau sie den Ball hinspielen wollen, um die Situation ihres Teams mit dem ersten Kontakt zu verbessern. So kann das individuelle Ziel einer Abwehraktion unter hohem Zeitdruck lauten, den Ball vorerst „nur“ zu kontrollieren und diesen hoch in die Feldmitte zu verteidigen, wo hingegen bei einer Annahmehandlung ohne großen Zeitdruck der Präzisionsanspruch maximal ist. Eine effektive Baggerbewegung ist keine Aneinanderreihung einzelner Teilbewegungen, sondern ein ökonomischer Bewegungsfluss, bei dem es vor allem darum geht, einen „Zeitvorteil“ am Spielort zu erarbeiten, der das ruhige, kontrollierte Spielen und eine perfekte Einstellung der Spielfläche am Spielort des Balles ermöglicht. Um den Ball bestmöglich kontrollieren zu können, haben sich beim Erlernen der Baggertechnik Begrifflichkeiten wie, „am Ball kleben“, „seitlich nach vorne einstechen“, „mit der Spielfläche einen Zeitvorteil erarbeiten“ und „ruhiges“, „lesbares“ sowie „weiches Spielen“ als sehr hilfreich erwiesen.
Cue: „Du kennst das Ziel und spielst genau dorthin.“
Impuls
Beide Beine sorgen für eine möglichst optimale Positionierung (ermöglichen beispielsweise das leicht seitliche, nach „vorne stechende“ Annehmen des Balles), der Oberkörper / Rumpf sorgt für Stabilität und die Schulter steuert den Impuls. Maximale Präzision in der Annahme kann entstehen, wenn möglichst wenige Gelenke an der Impulsgebung / Steuerung des Balles beteiligt sind. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang ein bewusstes Wechselspiel aus Spannung und Entspannung: Stabilität im Rumpf, die „Rücken-Linie“ wird gehalten und die weiche Impulssteuerung findet im Schultergelenk statt. Ein weiterer Vorteil der stabilen Oberkörperposition ist zudem, dass der Kopf ruhig gehalten werden kann und damit die Augen auf einer Ebene bleiben. Somit wird die Wahrnehmung erleichtert und die Flugkurve des Balles kann besser antizipiert werden.
Cue: „Die Beine geben Raum, der Oberkörper Stabilität und die Arme steuern den Impuls“
Präzision
Die Annahme sollte möglichst präzise erfolgen. Im Volleyball liegt der optimale Punkt für die Annahme leicht rechtsseitig der Netzmitte mit einem Abstand zum Netz von einem halben bis dreiviertel Meter und einer Flugkurve, die es dem Zuspieler ermöglicht, eine ruhige und völlig offene Ausgangssituation zu erreichen. Er kann uneingeschränkt vom Netz agieren und die gegnerischen Blockspieler peripher wahrnehmen. Im Beach-Volleyball ermöglicht eine maximal präzise Annahme die Option, einen zweiten Ball zu spielen. Genauer gesagt ermöglicht das präzise Anspielen der Schlagschulter des Partners (Netzabstand 1 bis 1,5 Meter) bereits auf den zweiten Ball eine Bedrohung der gegnerischen Block-Feldabwehr, unabhängig davon, ob der Ball angegriffen oder zugespielt wird. Vor allem die Blockspieler können diesbezüglich unter größten Zeit- und Positionierungsdruck gebracht werden.
Cue: „Schaffe bestmögliche Voraussetzungen für den Angriffsaufbau!“
Hier erscheint zeitnah ein Video zum Bagger von Paul Becker (Bundestrainer Beach-Volleyball Nachwuchs weiblich)